Michelle Rosar - Mein Champion bleibt Facyt
Michelle ist Vereinsmitglied sowie begeisterte - und erfolgreiche - Distanzreiterin.
Hier berichtet sie über ihre Ritte 2025.
Unsere Turniersaison 2025 begann am 18. Mai mit der Weserbergland Distanz. Für uns der erste Start auf diesem Ritt, aber sicher nicht der letzte. Bei angenehmen Frühlingswetter gingen wir auf dem MDR über 66 km mit 8 weiteren Reiter-Pferd-Paaren an den Start. Die ersten Kilometer wurden noch in einem großen Pulk geritten, doch nach dem Vet-Check auf der 2. Runde konnte sich Facyt absetzen und übernahm souverän die Führung. Diese Position hielt er bis ins Ziel und sicherte sich den Sieg mit einem Tempo von 4,0 und 6 Minuten Abstand zur Zweitplatzierten. Ein Auftakt nach Maß!
Am 21. Juni stand dann die Birstein Distanz auf dem Plan. Auch hier entschieden wir uns für den MDR über 65 km. Gemeinsam mit unseren Trainingspartnerinnen Leonie von Arnim und ihrer Stute Messina konnten wir schnell die Spitzenpositionen erobern. Am Ende erreichten wir gemeinsam den 1. Platz mit einem Tempo von 4,4 und einem Vorsprung von 12 Minuten zur Zweitplatzierten.
Der nächste Ritt führte uns am 05. Juli zur Spessartperle Revival. Eigentlich war dort unser erster LDR über 83 km geplant. Doch nach etwas Überredung durch die Veranstalterin wurde daraus unser erster Start über 104 km und gleichzeitig der Hessenmeisterschaft 2025. Da diese Distanz völliges Neuland für uns war, lautete unser Motto „Angekommen ist gewonnen“. Ich nahm das Tempo bewusst zurück, während die erfahrenen LDR-Reiter ihr eigenes Rennen liefen. So waren wir die gesamten 104 km alleine unterwegs und am Ende das letzte Reiter-Pferd-Paar, das sich noch auf der Strecke befand, nachdem alle anderen bereits im Ziel und durch die Nachuntersuchung waren. Trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) war die Freude riesig: Facyt meisterte seinen ersten LDR in einer großartigen Zeit mit Tempo 5,5 und wir erreichten den 3. Platz der Hessenmeisterschaft. Unser absolutes Saisonhighlight!
Am 02. August ging es dann auf heimischem Boden weiter: die Steckenrother Distanzritte standen an. Unser zweiter LDR über 81 km versprach zwar Heimvorteil, aber wer sein Pferd kennt, weiß: es ist gar nicht so leicht, dem Pferd klarzumachen, dass es nicht nach Hause geht, sondern weiter der Strecke entlang. Mit insgesamt 5 Startern gingen wir ins Rennen. Anfangs ritten wir wieder gemeinsam mit Leonie und Messina, doch nach etwa 60 km setze sich Facyt ab – voller Energie und Tatendrang. Als wir an einer Abzweigung nicht Richtung Stall, sondern weiter auf der Strecke ritten, war Facyt allerdings anderer Meinung: ein kurzer Ausflug in den Dreck für mich, ein kleiner Sprint dem Pferd hinterher und weiter ging es – mit schmerzenden Knochen, aber ungebrochenem Willen. Am Ende hat sich alles gelohnt: 1. Platz mit einem Tempo von 4,5, ganze 28 Minuten vor der Zweitplatzierten. Dazu der Titel Kreismeister 2025, den wir erfolgreich verteidigen konnten und die Auszeichnung Best Condition.
Ein Triple, das uns unglaublich stolz macht.
Zum Saisonabschluss starteten wir am 06. September auf der Langheck-Distanz. Eigentlich wollten wir den MDR über 66 km gemütlich angehen. Das hatten wir wohl vergessen, Facyt zu sagen. Also legte er noch einmal richtig los und bescherte uns einen Start-Ziel-Sieg. Mit einem Tempo von 4,7 und über 1 Stunde Abstand zu den Zweitplatzierten, beendeten wir die Saison mit einem weiteren Erfolg.
Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei meinem Tross, Marion Grimm und Stefan Rosar, bedanken. Mama, Papa – Großes DANKE! Danke Mama für deine Ruhe, deine Geduld, deine Erfahrung und all die Trainingspläne, die du mit so viel Herz für uns zusammenstellst. Danke Papa für das Durchrechnen sämtlicher Zeiten, für die Sprints mit Wasserflaschen und deinen unermüdlichen Ehrgeiz, der uns immer wieder antreibt.
Wir sind unendlich stolz auf Facyt; auf seinen Kampfgeist, seine Ruhe beim Pulscheck und seine Power beim Überholen. Jeder Ritt zeigt, was für ein außergewöhnliches Pferd er ist. Egal, was die Saison 2026 bringt – mein Champion bleibt Facyt.
Steckenrother Distanzritte
Tradition seit 1974
Die Idee kam, wie so oft, aus den USA - dort ritt man seit Mitte der 1950er Jahre lange Geländestrecken auf Zeit. Dass diese Idee Mitte der 1970er Jahre in Hohenstein Anklang fand, ist angesichts unserer schönen Landschaft nicht weiter verwunderlich.
So setzten sich die Familien Schmidthüs und Kadesch zusammen und ersannen ein Konzept für das Distanzreiten in Deutschland - mit Erfolg, 1974 gab es einen ersten Hohensteiner Distanzritt, ein Jahr später kam es zur Gründung des Vereins Deutscher Distanzreiter, und ein weiteres Jahr später entstanden die Taunusfreizeitreiter Hohenstein-Steckenroth e.V..
Seither werden rund um Steckenroth in größeren und kleineren Runden verschiedene Streckenlängen geritten. Was sich genau hinter dem Distanzreiten verbirgt, sei hier kurz erklärt: Im Gegensatz zum Wanderreiten, dem der Gedanke einer "Reise zu Pferd" zugrunde liegt und von A nach B hauptsächlich im Schritt und den ganzen Tag gemütlich zwischen 20 und 30 km geritten wird, geht es beim Distanzreiten um Geschwindigkeit. Dies geht nur mit einem ausbalancierten, trittsicheren und gut trainiertem Pferd.
Geritten wird hauptsächlich in Trab und Galopp, mittlerweile mit speziell entwickelter Ausrüstung - leichte, aber für Pferd und Reiter bequeme Sättel, wasserresistentes Zaumzeug, Spezialbeschlag oder Hufschuhe. Auch die Bekleidung des Reiters ist funktional, weiße Hose und Turnierjacket eignen sich hier nicht.
Die Gesundheit des Pferdes steht im Mittelpunkt, weshalb für jeden vierbeinigen Athleten vor dem Start ein gründlicher Check bei der Tierärztin vor Ort ansteht. Abgehört werden Herz und Lunge, es wird die Sattellage auf Empfindlichkeit geprüft, ein Test auf ausreichende Wasserversorgung und natürlich eine Lahmheitsuntersuchung durchgeführt. Ist alles in Ordnung, erfolgt die Startfreigabe.
Die Zwischenstopps mit 40-minütiger Pause und erneuter Verfassungskontrolle finden stets auf dem Reitgelände in Steckenroth statt. Zeigt sich hier ein Pferd nicht mehr 100 % fit, scheidet es aus, muss zwei Stunden später nochmals der Tierärztin vorgestellt werden und darf erst dann nach Hause fahren. Wer fit ist, und das sind erfahrungsgemäß die meisten, darf nach der Pause auf die nächste Runde gehen.
Hinter jedem Pferd-Reiter-Paar steht ein Team von sogenannten "Trossern", die an vorgegeben Punkten auf der Strecke mit Wasser bereitstehen dürfen und das Pferd im Laufen abkühlen. Zwei Stunden nach der Zielankunft erfolgt nochmals ein ausführlicher Check bei der Tierärztin, und nur wessen Pferd das OK bekommt, darf sich bei der Siegerehrung zu den anderen zwar müden, aber zufriedenen Pferden auf den Reitplatz begeben und seine Stallplakette abholen.
Für die kurzen Distanzen ist nahezu jedes Pferd geeignet, für die längeren Bedarf es eines besonderen Charakters. Es gibt nunmal auch unter den Pferden die Couchpotatoes und die mit Hummeln im Hintern. Auch das Training und die Fütterung erweist sich als individuell, ein Standardrezept gibt es nicht. Pferde sind Lauftiere und legten ursprünglich täglich etliche Kilometer im Schritt zurück. Echte Wildpferde gibt es nicht mehr, unsere Hauspferde sind das Ergebnis einer jahrtausendalten Zucht, aber was ihnen geblieben ist, ist der Bewegungsdrang. Ob sie, wie menschliche Läufer, auch in eine Art Flow geraten, ist nicht bekannt, aber aus eigener Erfahrung lässt sich sagen, dass auch ein eher gemütliches Pferd auf einem Distanzritt in einen gleichmäßigen Rhythmus kommt und ihn freiwillig hält.
Dieses Erlebnis - alleine im Gelände mit dem Pferd, dass das Tempo vorgibt, auf den Boden achtet, eigenständig bremst, beschleunigt, die Gangart wählt, einen mitnimmt als Partner und immer gesprächsbereit ist - macht glücklich.
Und so freuen wir uns jedes Jahr auf viele Pferd-Reiter-Paare, die unsere anspruchsvolle Landschaft genießen werden. Zuschauer heißen wir gerne willkommen, und unsere Theke versorgt alle (Reiter, Helfer, Trosser und Gäste) mit selbstgemachten Salaten, Leckereien vom Grill und frischem Kuchen.